Temazcal: Wie ich mit einem Maya-Schamanen in der Sauna saß

Temazcal: Wie ich mit einem Maya-Schamanen in der Sauna saß

Habt ihr schon einmal von Temazcal gehört? Das ist die mexikanische Art der Sauna. Während meiner Mexikoreise hatte ich die Möglichkeit das Temazcal auszuprobieren und mehr über die Kultur der Maya zu erfahren. Dabei habe ich an einem richtigen Ritual mit einem Maya- Schamanen teilgenommen, was eine wirklich sehr interessante Erfahrung war.

Was ist Temazcal?

Das Wort “Temazcal” stammt von der Sprache der Azteken und bedeutet so viel wie “Haus der heißen Steine”, wobei das Haus eher einem Iglu gleicht. Die mexikanische Art der Sauna hat eine lange Tradition und dient neben der Entgiftung des Körpers und der Heilung von Krankheiten auch der Reinigung des Geistes.

Vom Aufbau her ähnelt das Temazcal der uns bekannten Sauna. In einem Raum befinden sich heiße Steine auf die Wasser gegossen wird, damit mehr Luftfeuchtigkeit und Hitze entsteht. Dabei sitzt man auf einer Bank und schwitzt. Das sind soweit die Gemeinsamkeiten zwischen Sauna und Temazcal.

Ein wichtiger Bestandteil des Temazcal ist das Ritual und ich bin froh, dass ich diese interessante Erfahrung erleben durfte.

Mein Erlebnis mit dem Temazcal

Die Vorbereitung

Bevor wir überhaupt in das Temazcal reingehen durften, mussten wir Mutter Erde um Erlaubnis fragen. Dazu haben wir Rasseln bekommen, die Schlangen symbolisieren sollen und der Maya- Schamane benutzte ein Schneckenhorn. Wir mussten jeweils nach links, rechts, oben und unten schauen (für Wasser, Feuer, Erde und Luft). Jedes Mal wenn des Schneckenhorn ertönte, mussten wir rasseln.

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ganz schön eng da drin

Danach durften wir ins Temazcal gehen und uns auf die Bank setzen. Wir waren etwa 12 Personen, sodass es ziemlich eng war. Anschließend wurden heiße Vulkansteine reingebracht, der Schamane setzte sich mit einem Eimer und Trommel zu uns auf die Treppe und die Tür wurde geschlossen.

Der 1. Durchgang

Wenn ihr euch jetzt mal ein Iglu vorstellt… Was fehlt da? Richtig, Fenster! Sobald die Tür zu ging, war es dunkel. Stockdunkel. Ich saß also da mit fremden Menschen in diesem stockdunklen, kleinen Raum und schwitzte was das Zeug hält. Meine erste Reaktion: “Was habe ich mir hier nur eingebrockt?”.

Nachdem der Schamane den Aufguß (die Medizin, wie er sagte) auf die Steine goß. Allmählich konnten wir die Hitze spüren. Währenddessen erzählte der Schamane uns, dass wir nun alle eins seien und ein Strom von Energie fließen würde. Auf einmal ertönten laute Trommelschläge. Sie sollten den Herzschlag symbolisieren. Dann fing der Schamane an zu singen schreien. Er wiederholte immer wieder eine Strophe in der es darum ging, das wir selbst unser eigener Feind seien und uns besiegen müssten. Was zuerst lächerlich klingt, wirkt tatsächlich! Nach einiger Zeit befand ich mich in einer Art Trance. Obwohl ich klitschnass war, fühlte sich die Hitze plötzlich eher wie eine angenehme Wärme an.

Der 2. und 3. Durchgang

Nach einiger Zeit schrie der Schamane “Abre la puerta!”. Die Tür ging auf und es war wieder hell. Verschnaufpause. Erneut brachten Helfer des Schamanen heiße Steine rein. Anschließend wurde die Tür wieder geschlossen und der Vorgang wiederholte sich. Nun wurde es noch heißer. Dank meines Trancezustands war das aber ein klacks! Und auch die 3. Runde war auszuhalten. Danach machten wir eine etwas längere Pause. Der Schamane warnte uns, dass der 4. und letzte Durchgang sehr unerträglich werden würde. Diejenigen, die sich das nicht zutrauten, sollten lieber abbrechen. Sofort gingen zwei Leute raus. Ich dachte mir, wird schon nicht so schlimm, und blieb drin.

Die Beichte

Bevor es mit dem letzten Durchgang losging, mussten wir reihum ein Geflecht aus Zitronengras an die Brust legen. In Gedanken sollten wir überlegen, was wir in unserem Leben bereuen. Als 1. aus der Runde durfte ich also das Geflecht an mich nehmen, die Augen schließen und in Gedanken beichten. Ich kam mir blöd vor, als alle Augen so auf mich gerichtet waren. Ich tat aber aus Respekt so als wäre ich in Gedanken und gab das Geflecht schnell weiter. Zu meinem Erstaunen schien diese “Runde der Reue” tatsächlich zu wirken: Eine Frau fing plötzlich an zu weinen, als sie an der Reihe war!

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Nichts für Klaustrophobiker

Der letzte Durchgang oder: die Hölle

Schließlich ging der 4. und letzte Durchgang los. Der Schamane hatte nicht gelogen. Die Hitze war fast unerträglich! Ich weiß nicht wie viel Grad es in diesem Moment waren, aber eine deutsche Sauna ist dagegen ein Kinderspiel! Plötzlich schrie der Schamane wieder, dass die Tür geöffnet werden sollte. Eine Frau hielt es nicht mehr aus und musste abbrechen. Danach ging es noch ein paar Minuten weiter und der Schamane versuchte uns zu motivieren, indem er sagte, dass nun alles Schlechte aus uns rausginge, wir danach stärker und wie neugeboren seien. Meine Haut brannte, der Schweiß floss mir in Strömen runter, von Trance war in dem Moment nicht mehr die Rede, ich wollte einfach nur noch, dass die Tür aufging…nach einer halben Ewigkeit war es endlich geschafft! Beim herauskriechen (schnelles Aufstehen könnte zum Kreislaufkollaps führen!) haben wir noch Mutter Erde gedankt und so ging das Erlebnis Temazcal zu Ende.

Mein Fazit zum Temazcal

Obwohl es im 1. Moment befremdlich und komisch wirkt so ein Ritual zu erleben und es nicht unbedingt jedermanns Sache ist, fand ich es sehr interessant. Denn wir vergessen in der heutigen Zeit, wie wichtig die Natur für uns ist. Während die Maya mit der Natur im Einklang leben und sie respektvoll Mutter nennen, zerstören wir unsere Erde. Wir wissen vieles, was für uns selbstverständlich ist, nicht mehr zu schätzen. Durch das Erlebnis im Temazcal ist mir wieder bewusster geworden, was wichtig im Leben ist. In gewisser Weise wurde mein Geist also tatsächlich gereinigt ;).

Was haltet ihr vom Temazcal? Würdet ihr es auch gerne mal ausprobieren?

2 Kommentare

Schöner Bericht. In 3 Wochen bin ich San luis Potosi und meine Bekannte sagte schon das wir Temazcal machen werden. Bin gespannt wieviele Runden ich aushalte :-).
Danke.

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